PROFLEX - Beratungssystem

Der Begriff "Beratung" wird in verschiedenen Ansätzen zur Einteilung von Problemen, die mit Beratungssystemen gelöst werden sollen sehr unterschiedlich definiert. Beratung wird auch beschrieben als eine Kombination von Diagnose und Selektion, d.h. von Herausfinden der Wünsche des Ratsuchenden und Ermitteln der optimalen Lösung aus einer begrenzten Anzahl von möglichen Lösungen.

Die Beratung eines Nutzers durch ein Beratungssystem ist vergleichbar mit der eines ausgebildeten Beraters. Auch er beginnt in der Regel mit der Befragung zur Identifikation des anstehenden Problems, zu dessen Lösung möglichst konkrete Empfehlungen, Hinweise, Anleitungen zum Handeln oder Vorschläge für eine weiterführende Behandlung vom Menschen erwartet werden (siehe Abbildung). Diese Identifikation dient dazu, hinter den verschiedenen Erscheinungsbildern eines Problems oder Sachverhaltes die tiefer liegenden Ursachen zu erkennen, die einer Lösung, Bearbeitung oder Behandlung durch den Ratsuchenden bedürfen. Dieses analysierende Vorgehen erfordert domänspezifisches Wissen, das mittels entsprechender Schlußweisen verarbeitet wird. Das Ergebnis dieses ersten Schrittes ist in der Regel eine Charakteristik des Problems, um es systemintern einer bestimmten Problemklasse zuzuordnen. Anschließend wird spezifisches Wissen dieser betreffenden Klasse zur Problemlösung eingesetzt. Zumindest der erstgenannte Schritt erfolgt im interaktiven Dialog zwischen dem Menschen und dem Beratungssystem. Letzteres erfragt vom Nutzer all das Wissen, das für die Problemidentifikation erforderlich ist.

Abbildung 1: Ablauf eines Beratungsprozesses

Die Komponenten eines Beratungssystems

Benutzerschnittstelle. Die Benutzerschnittstelle enthält alle Komponenten, die die Benutzeroberfläche darstellt. In der Benutzerschnittstelle findet die Interaktion des Benutzers mit den Programmen statt. Die Benutzerführung ist interaktiv. Die Initiative ist auf beide Seiten verteilt.

Domänwissen. Domänwissen ist aufbereitetes Fachwissen und enthält die Grundlagen sowie das theoretische Wissen zur Einführung von Gruppenarbeit Das Domänwissen ist so strukturiert und formalisiert, daß es für alle anderen Komponenten erreichbar ist.

Präsentation des Domänwissens. Die Benutzeroberfläche für diese Komponente ist wie ein reales Buch entwickelt. Es wurden solche Konzepte verwendet, die dem Benutzer schon aus "normalen" Büchern her bekannt sind. Dies hat den Vorteil, daß die Benutzung des BS weniger Lernaufwand erfordert. Zu lernen ist nicht das der Interaktion zugrunde liegende Modell, sondern die spezielle Art der Interaktion mit dem Rechner. Dem Benutzer werden Möglichkeiten geboten, die ihm auch ein gedrucktes Buch bietet. Solche Fähigkeiten sind, neben dem sequentiellen Lesen des Buches, beispielsweise das Blättern in einem Buch und das Aufsuchen von bestimmten Stellen aus dem Inhaltsverzeichnis oder Index. Zusätzlich kann man Lesezeichen "einlegen", Notizen schreiben und einzelne Themen ausdrucken.

Tabelle 1: Bedürfnisse eines Lesers
Wunsch des Benutzers
Vorgehensweise
bekannte Seiten lesen Aufschlagen der Seite
Informationen über einen bestimmten Begriff finden Suche im Index
grob umschriebene Informationen finden Suche im Inhaltsverzeichnis
Seite mit ungefähr bekanntem Layout finden Blättern
Schmökern Ansehen der Verzeichnisse und Aufschlagen von interessanten Seiten
das ganze Buch lesen Blättern

Diagnose/Auswertung Daten, Aktivitäten. Eingabedaten und Ergebnisse (z.B. Vollständigkeit einzelner Abschnitte) werden hier ausgewertet. Entsprechend der Bewertung werden weitere Fragen gestellt, Hinweise gegeben, in der Strategie fortgefahren oder eine andere Strategie gewählt.

Dialogmodell (Handlungspläne, Strategien). Aufgabe der Dialogmodellierung ist es, den aktuellen Aufgabenkontext zu ermitteln. Bei der Durchführung von Aufgaben verfolgt der Benutzer bestimmte Handlungsmuster. Diese für jede Anwendung/Aufgabe spezifischen Muster werden als Handlungspläne bezeichnet. Die Dialogmodellierung umfaßt zwei Teile:

Das Dialogmodell beinhaltet Regeln über das "Was, Wann, Wie". Diese Komponente ist vergleichbar mit einem Lehrer, der den Lehrstoff in Abhängigkeit vom Wissensstand eines Schülers vermittelt. Um die Adaptivität an den Erkenntnisstand des Benutzers durchführen zu können, werden Informationen von den Komponenten Fortschrittsverfolgung/Protokollierung, Diagnose/Auswertung sowie Domänwissen benötigt. Diese Komponente muß ein Diskursschema enthalten, d. h. eine Ansammlung von Aktivitäten/Vorgehensweisen und Antwortteilen. Diese Grundstrategie beinhaltet Ziele und Zwischenziele. Aufgrund der Ergebnisse wird entschieden, wann und wie diese Grundstrategie verlassen wird und wann zu ihr zurückzukehren ist.

Fortschritsverfolgung, Protokollierung. Sie dient der Fortschrittsverfolgung und Protokollierung von Zwischenergebnissen und Vorgehensweisen.

Simulationsmodell. Für einen Simulationslauf werden Daten, die über das Beratungssystem erfaßt wurden, an das Simulationsmodell übergeben. Nach dem Simulationslauf werden die Resultate über das Beratungssystem unterstützt.

Abbildung 2: Komponenten des PROFLEX-Beratungssystems



ISG <rita@isg.cs.uni-magdeburg.de>
Last modified: Thu Oct 15 09:28:47 1998 Ansprechpartner Projektpartner Projekttr ger vorherige Seite Seitenanfang nächste Seite Startseite